Die teuerste Software ist die, die nichts Neues mehr lernt
Wenn über alte Software gesprochen wird, geht es meistens um Technik. Veraltete Frameworks, fehlende Updates, ein Entwickler, der als Einziger den Code versteht. Das sind echte Risiken. Für die Geschäftsführung bleiben sie abstrakt, solange alles läuft.
Greifbarer ist eine andere Frage. Was kann deine Software heute nicht, das deine Kunden oder dein Team erwarten?
Ein typisches Beispiel
Ein Unternehmen betreibt seit Jahren ein Anmeldeportal für Seminare. Es funktioniert. Teilnehmer melden sich an, die Daten landen in einer Datenbank.
Was fehlt, merkt man erst im Alltag. Das Portal verschickt keine automatische Bestätigung. Stornieren geht nur per Mail ans Büro. Eine Warteliste gibt es nicht, also bleiben Plätze nach Absagen leer. Erinnerungen vor dem Termin schreibt jemand von Hand.
Nichts davon steht auf einer Rechnung. Trotzdem kostet jeder Punkt Geld. Arbeitszeit im Büro, leere Plätze, Teilnehmer, die nicht erscheinen, und Interessenten, die bei der Konkurrenz buchen, weil dort alles online geht.
Entgangene Chancen sichtbar machen
Damit aus dem Bauchgefühl eine Entscheidung wird, hilft eine einfache Rechnung. Stell für jede fehlende Funktion drei Fragen.
Wie viel Zeit kostet der Workaround? Minuten pro Fall mal Fälle pro Monat mal Stundensatz.
Was geht verloren? Leere Plätze, abgebrochene Bestellungen, Anfragen ohne Antwort.
Was wäre möglich? Neue Angebote, neue Kanäle und Automatisierung, die heute an der Software scheitern.
Ein Beispiel. Stornos und Umbuchungen dauern im Büro 15 Minuten pro Fall, und es fallen 100 Fälle im Monat an. Das sind 25 Stunden. Bei 50 € pro Stunde macht das 1.250 € im Monat oder 45.000 € über drei Jahre. Für eine einzige fehlende Funktion, und die leeren Plätze sind da noch nicht eingerechnet.
Warum niemand die Rechnung macht
Die Kosten sind verteilt. Ein bisschen im Büro, ein bisschen im Vertrieb, ein bisschen im Kundenservice. Die Summe sieht keiner. Dazu kommt Gewöhnung. Wer seit Jahren mit einem Workaround arbeitet, nimmt ihn nicht mehr als Problem wahr.
Und es gibt einen guten Grund für Zurückhaltung. Niemand sollte eine funktionierende Anwendung ersetzen, nur weil sie alt ist. Ein Umbau lohnt sich, sobald die Software neue Features, Integrationen oder Abläufe blockiert. Genau das macht die Rechnung oben sichtbar.
Modernisieren, ohne alles neu zu bauen
Selten muss dafür alles neu gebaut werden. Oft reicht es, den einen Prozess herauszulösen, der am meisten kostet. Im Beispiel wären das Anmeldung, Storno und Warteliste als eigene kleine Anwendung, die mit der bestehenden Datenbank spricht. Der Rest bleibt, bis er selbst zum Problem wird.
So gehen wir bei der Legacy Modernisierung vor. In Etappen, nach denen du aufhören kannst, und mit einem Betrieb, der die ganze Zeit live bleibt. Technische Beispiele dazu findest du in unseren Beiträgen zum Support-Ende von .NET 8, zu Zapier vs. Laravel, zu WordPress als Anwendung und zu Power Apps und Retool.
Die Fragen für dein nächstes Meeting
Was fragen Kunden, das wir nicht anbieten können?
Welche Aufgaben erledigt jemand von Hand, weil die Software es nicht kann?
Welches Projekt haben wir verschoben, weil das System es nicht hergibt?
Was kostet es, wenn wir das noch ein Jahr so lassen?
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Häufige Fragen
Wann lohnt es sich, alte Software zu ersetzen?
Wie berechne ich die Kosten veralteter Software?
Muss man Legacy-Software komplett neu entwickeln?
Warum werden die Kosten alter Software so oft unterschätzt?
Wie fange ich mit der Modernisierung alter Software an?
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